30 Jahre Solidarnosc
- deutsch-polnische Entwicklungen

Die Landeszentrale für Politische Bildung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus gedachte und feierte zusammen mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in München im Max-Joseph-Saal der Residenz eine glücklich Entwicklung, die mit Solidarnosc begann. Edmund Speiseder hat bei den Feierlichkeiten am 12.07.2010 für das Diözesankomitee teilgenommen.

In seinem Rückblick und seiner Würdigung begann Dr. Marek Prawda, der Botschafter der Republik Polen, mit jener Pastoralreise, die Papst Johannes Paul II. an Pfingsten des Jahres 1979 nach Polen führte, und lenkte den Rückblick auf die Tage, in denen Polens Bevölkerung durch den Besuch des Oberhaupts der Katholischen Kirche in Polen eine Stimme bekam. Papst Johannes Paul II. verstand es damals, den Geist und die Botschaft des Pfingstevangeliums zusammen mit jener Freiheit zu thematisieren, die der Glaube schenkt, eine Freiheit, die durch nichts begrenzbar ist. Die Arbeiter auf der Danziger Leninwerft sehen sich wenig später darin gestärkt, mit Recht auf ihre Forderungen zu pochen.

So rief im August des Jahres 1980 in Westeuropa dieses Geschehen zunächst ein ungläubiges Erstaunen hervor, dass sich die Streikenden auf der Danziger Leninwerft durch ihren Glauben gestärkt gegen eine doktrinäre, marxistisch-leninistische Staatsmacht, die sich selbst als der Motor des historischen Fortschritts verstand, behaupten wollen. Sie trotzten ihrer Staatsmacht Zugeständnisse ab, die bis dahin im kommunistischen Bereich als unerhört und unrealisierbar galten. An erster Stelle stand da die Einrichtung einer unabhängigen Gewerkschaft, der Solidarnosc, die bald an die 10 Millionen Mitglieder umfasste, mehr als ein Drittel der Bevölkerung.
Die Unruhe von Danzig hielt an und blieb lebendig. Der runde Tisch des Jahres 1989 wurde zum Symbol für die friedliche und zugleich demo-kratisch legitimierte Beendigung der kommunistischen Diktaturen überhaupt und fand auch in der DDR eine bewusste Nachahmung.
Als im November 1989 in Berlin die Mauer fiel, amtierte in Polen mit der Regierung Mazowiecki bereits ein Kabinett, in dem die demokratischen Kräfte dominierten. Und die bestimmenden Kräfte in der Solidarnosc hatten vielmehr frühzeitig erkannt, dass eine Wiedervereinigung Deutschlands für Polen keine Bedrohung, sondern eine neue Chance eröffnen könne.


Edmund Speiseder



v.l.nr.: Dr. Marek Prawda (Botschfter der Republik Polen), Dr. Peter März (Leiter der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung), Monika Franz (Landeszentrale f. politische Bildung)



[zurück]