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Anlässlich seiner Vollversammlung am 31.10.2009 hat das Diözesankomitee
der Katholiken im Bistum Regensburg Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle
zu einem Vortrags- und Diskussionsnachmittag in das Diözesanzentrum
Obermünster in Regensburg eingeladen, um sich mit den Art.
131 und 135 der Bayerischen Verfassung auseinanderzusetzen. In diesen
Artikeln sind die Erziehungsziele der Schulen, u.a. auch die Ehrfurcht
vor Gott, sowie die christliche Bekenntnisschule festgehalten. Eingeladen
waren auch Vertreter der Lehrer- und Elternverbände sowie Interessierte
und Betroffene.
In seinem Impulsreferat ging Dr. Ludwig Spaenle darauf ein, dass
das besondere Verhältnis zwischen Staat und Kirche ohne die
Dimension der Zeit und Historie nicht erklärbar sei. Durch
die tiefe historische Erfahrung des Vernichtungswillen des Naziregimes
seien die Besonderheiten entstanden, die sich im Konkordat niedergeschlagen
hätten.
Dr. Spaenle betonte, dass die Zeit, in der die Bayerische Verfassung
entstanden ist, so wichtig sei, da es einen schleichenden Prozess
gegen das besondere Verhältnis von Staat und Kirche gebe. Es
würden die Neutralität des Staates und die Pluralität
als absolut gesehen. Dabei gebe es in Art. 131 ganz konkrete Erziehungsaufträge,
bei denen es sich um klassische Querschnittsaufgaben handle. Diese
würden deshalb auch einen Anker in der Stundentafel benötigen.
Die Schule habe von der Zivilgesellschaft immer mehr Aufgabe und
Verantwortung zugewiesen bekommen, deshalb sei auch die Bedeutung
dieses Artikels größer geworden. Für ihn sei der
Anker der konfessionelle Religionsunterricht, der aber auf Augenhöhe
mit dem nichtreligiösen Ethikunterricht stattfinden müsse.
Trotz des Neutralitätsgebotes der Verfassung würden die
Kirchen Verantwortung für die Wertevermittlung haben. Die Gestaltungshoheit
der Kirchen für eine wichtige Phase der Persönlichkeitsbildung
führe zwangsläufig zu Spannungen, wie das Kruzifixurteil
von 1995 zeige. Dennoch müsse es einen christlichen Überbau
trotz der Neutralität des Staates geben, gegründet auf
dem geschichtlichen Hintergrund.
Kultusminister Spaenle ging in seinen Ausführungen auch auf
das Verhältnis zum Islam ein. Auf Dauer müsse reagiert
werden, betonte der Minister, da immer mehr Muslime in den Schulen
erzogen werden müssten. In Bayern soll die Begegnung mit dem
islamischen Kulturkreis in staatlichen Schulen stattfinden, um islamische
Grundkenntnisse zu vermitteln.
Bei der anschließenden Diskussion kristallisierte sich heraus,
wie wichtig die Werteerziehung in der Schule. Ebenso wurde immer
wieder betont, die Verantwortungsbereitschaft der Schüler zu
fördern. Auch wurde darauf hingewiesen, dass Erziehung gleichermaßen
Fördern und Fordern bedeute. von den Teilnehmern wurde auch
die Bitte herangetragen, dass der Religionsunterricht sowohl Vorrückungsfach
als auch die Stundenzahl erhalten bleiben müsse. Minister Spaenle
betonte: "Der Religionsunterricht ist uns lieb und teuer."
Auf den Amoklauf an einer Ansbacher Schule angesprochen, sagte Dr.
Spaenle, dass es sich hier um einen stummen Schrei gehandelt habe.
In diesem Fall habe man Kontakt zu dem Schüler über den
Schulpsychologen gehabt, aber man könne nicht ausschließen,
dass jemand auch durch ein noch so engmaschiges Netz falle. Problematisch
sei bei Jugendlichen zum einen der Konsum von Gewaltdarstellungen
in Computerspielen als auch die USK-Gremien, die die Spiele für
eine bestimmte Altersgruppe freigeben. Wenn innerhalb einer kurzen
Frist kein Widerspruch erfolge, sei kein Zugriff mehr möglich.
Auf die großen Klassenstärken angesprochen, die das Lernen
erschweren würden, antwortete der Minister, dass es sich immer
um ein gewaltiges Ringen handle und deshalb auch 1000 neue Planstellen
geschaffen worden seien. Das Problem sei, dass die Hauptschulen
in Ballungsräumen in Konkurrenz zu den Hauptschulen auf dem
Land mit sehr kleinen Klassen seien. Durch die schwierige Finanzlage
seien die Spielräume aber eingeschränkt. In seinem abschließendem
Wort betonte der Vorsitzende des Diözesankomitees, Philipp
Graf v.u.z. Lerchen feld, dass man bei der Erziehung den wichtigen
Partner Eltern nicht vergessen dürfe. Auch würde die Wirtschaft
nur funktionieren, wenn der Mensch auf einem Wertefundament stehe.
Im nichtöffentlichen Teil der Vollversammlung des Diözesankomitees
standen der Bericht des Vorstands über die Aktivitäten
der letzten Zeit sowie der Kreativwettbewerb im Mittelpunkt, der
vom Arbeitskreis Ehe und Familie des Diözesankomitees in Zusammenarbeit
mit der Caritas-Fachberatung für Kindertagesstätten initiiert
wurde. Zum Abschluss wurde der Festgottesdienst zum Fest des Hl.
Wolfgang in St. Emmeram besucht.
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