"Freunde muss man verstehen" - Ackermann-Gemeinde präsentierte Partnerschaften


Dass in der Diözese Regensburg in verschiedenen Ebenen und Bereichen blühende und bereits lange Partnerschaften zwischen Deutschen und Tschechen existieren, wurde beim Diözesantag der Ackermann-Gemeinde am Samstag im Westmünsterzentrum deutlich. Mit dem Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Regensburg hatte die Geemeinschaft katholischer Sudetendeutscher ihr Jahrestreffen bewusst unter das Motto "Partnerschaft, die Freu(n)de macht" gesetzt, um 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die mittlerweile vorhandenen Kontakte vor allem zwischen Gläubigen der Diözesen Pilsen und Regensburg zu präsentieren.
Je zwei tschechische und deutsche Priester zelebrierten auch den am Beginn der Tagung stehenden Gottesdienst: die Generalvikare Domkapitular Monsignore Michael Fuchs (Regensburg) und Monsignore Dr. Robert Falkenauer (Pilsen) an der Spitze mit Domkapitular und Caritasdirektor Bernhard Piendl, dessen Einrichtung zu der in Pilsen enge Beziehungen hat, und Pfarrer Eremias Figura von Dolni Belá, der Partnerpfarrei von Wiesent. Seinen "Dank für die Tätigkeit in der Partnerschaftsarbeit" übermittelte Generalvikar Fuchs auch in tschechischer Sprache. In seiner Predigt erinnerte er an die gemeinsamen Wurzeln der zwei Völker, den christlichen Glauben, aus dem sich gemeinsame Traditionen etwa in der Musik und Literatur entwickelt haben. Auch rief er den Heiligen Wolfgang als Gründer des vor 1000 Jahren ins Leben gerufenen Bistums Regensburg in Erinnerung, wozu damals auch Pilsen gehörte. Der Generalvikar dankte "für die jahrelange Partnerschaftsarbeit in Pfarreien, Gruppen und bei caritativen Tätigkeiten". Für diese Aktivitäten seien weitere Schritte und eine neue Generation nötig, die diese aus dem gemeinsamen Glauben und der gemeinsamen Geschichte betreiben möge. Für die Musik beim Gottesdienst sorgten der Chor St. Joseph aus Mühlhausen unter der Leitung von Martina Gottschalk und Erich Weber an der Orgel.
Auf die bisherigen Partnerschaftstreffen in den Jahren 1999, 2001 und 2005 (mit den Bischöfen der zwei Diözesen) ging der Diözesanvorsitzende der Ackermann-Gemeinde Leonhard Fuchs in seiner Begrüßung ein und freute sich über die Präsentation gelungener Partnerschaftsarbeit an diesem Tag. Auf die seit 15 Jahren bestehende Städtepartnerschaft Pilsen - Regensburg verwies in seinem Grußwort Stadtrat Christian Schlegl. "Ich habe höchsten Respekt für die Arbeit, die Sie leisten", zollte er Anerkennung. "Viele kleine Schritte sind nötig, weil wir uns sehr weit auseinander entwickelt haben, stellte MdL Philipp Graf Lerchenfeld, Vorsitzender des Diözesankomitees, in seinem Grußwort fest und dankte der Ackermann-Gemeinde für ihre über Jahrzehnte geleistete Arbeit. "Die Grundlage für Europa, für solche Treffen muss unser Glaube sein", appellierte er an die Teilnehmer. Der Kanzler der orthodoxen Kirche in den tschechischen Ländern, Erzpriester Joseph Hauser (Marienbad) erwähnte in seinem Grußwort sein in Regensburg absolviertes Studium der deutschen Sprache und freute sich, dass es heute keine Grenzen mehr gibt. Die Partnerschaftsbeispiele sah Adolf Ullmann, Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde, als Zeichen, dass es zwischen den beiden Völkern auf der Basis anders aussieht als es "der demente Herr auf der Prager Burg" es einschätzt. "Mit Blick auf die politische Agenda schwimmen Sie gegen den Strom, in der Volksdiplomatie im Strom der Zeit", machte Ullmann deutlich.
In ihrem Festvortrag "Partnerschaft, die Freu(n)de macht!" bedauerte MdL Prof. Dr. Ursula Männle das Festhalten des tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus an den Benes-Dekreten. "Dekrete, die die Grundlage der Vertreibung waren, werden wieder hervorgeholt. Das ist eine Belastung des Verhältnisses zwischen Deutschen und Tschechen", meinte sie und verwies auf das friedliche Zusammenleben der zwei Völker über Jahrhunderte. In Richtung Ackermann-Gemeinde stellte sie fest: "Seit Jahrzehnten arbeiten Sie daran, konkret ein positives Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen aufzubauen, am Frieden im Kernland Europas und zwischen den Völkern mitzuwirken". In den letzten 20 Jahren seien viele Vorurteile durch Begegnungen abgebaut worden. Dabei habe die Ackermann-Gemeinde immer das gegenseitige Vergeben und Verzeihen in den Vordergrund gerückt. "Das ist die Orientierung, die nötig ist, um uns gegenseitig zu akzeptieren und zu verstehen, um miteinander die Vergangenheit zu bewältigen", machte die Referentin deutlich. Diese Haltung sieht sie auch als Basis für Begegnungen und Partnerschaften: Verständnis für die Sichtweise des anderen gewinnen, gemeinsam mit ihm etwas unternehmen, sodass daraus Freundschaft erwachsen kann. Basis dafür sind für Männle Kenntnisse vom Partner - konkret der gemeinsamen Geschichte und der anderen Sprache. "Freunde muss man verstehen" gab sie als Leitmotiv aus und forderte Investitionen im Sprachbereich. Sie freute sich über gute Kooperationen in der Wirtschaft sowie auf kommunaler und kirchlicher Ebene und über gemeinsame Buchprojekte.
Nach einer kurzen deutsch-tschechischen Sprachanimation standen die Kooperations- und Partnerschaftsprojekte im Mittelpunkt: so die Treffen der Kindergartens St. Johannes in Neumarkt/Opf. mit dem christlichen Kindergarten in Pilsen, die Partnerschaften der im Haus St. Marien Neumarkt untergebrachten Einrichtungen mit der kirchlichen Fachmittelschule Spalene Porici, die Aktion "Hilfe für Kinder in Not" Bärnau, die regelmäßig für Waisen- und Mutter-Kind-Heime in Tschechien Spenden sammelt und übergibt, sowie die Pfarrpartnerschaften zwischen Dolny Bela (Böhmisch Neustadtel) und Wiesent sowie von Kraslice (Graslitz) mit Neutraubling. Anhand von Filmen, Vorträgen und Infos auf Stellwänden konnten sich die Teilnehmer ein eindrucksvolles Bild machen.

Markus Bauer


Die Zelebranten des Gottesdienstes: Domkapitular Caritasdirektor Bernhard Piendl, Generalvikar Domkapitular Monsignore Michael Fuchs, Generalvikar Monsignore Dr. Robert Falkenauer und Pfarrer Eremias Figura von Dolni Belá.


Der Chor St. Joseph aus Mühlhausen unter der Leitung von Martina Gottschalk umrahmte den Gottesdienst.


Blick in die Reihe der Ehrengäste: von links nach rechts: MdL und Vorsitzender des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Regensburg Phlipp Graf von und zu Lerchenfeld, Stadtrat Christian Schlegl, Pilsens Generalvikar Monsignore Dr. Robert Falkenauer, Regensburgs Generalvikar Domkapitular Monsignore Michael Fuchs, Festrednerin MdL Prof. Dr. Ursula Männle, Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde Adolf Ullmann (zweite Reihe rechts).


Die Mädchen und Buben des Neumarkter Kindergartens St. Johannes führten Tänze und Lieder - auch in tschechischer Sprache - vor, begleitet an der Gitarre von der Kindergartenleiterin Schwester Gunda.

Fotos: Markus Bauer (1-3), Manfred Fürnrohr (4)



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