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Zum Abschluss der Vortragsreihe des Diözesankomitees zum Thema
Ehe und Familie war am Montag, 10.11.2008, Kardinal Sterzinsky aus
Berlin, dem Vorsitzenden der Kommission für Ehe und Familie
der Deutschen Bischofskonferenz, zum Pontifikalgottesdienst in der
Alten Kapelle und anschließendem Vortrag im Kolpinghaus zu
Gast.
Hier der ausführliche Bericht:
Auf Einladung des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum
Regensburg unter Vorsitz von Graf Philipp von und zu Lerchenfeld
war am Montag, 10.11.2008, Georg Kardinal Sterzinsky aus Berlin
zu Gast. Das Diözesankomitee veranstaltete eine Vortragsreihe
zum Thema "Ehe und Familie", deren Abschluss der Vortrag
von Kardinal Sterzinsky bildete. Dieser ist bereits seit 1991 Vorsitzender
der Kommission für Ehe und Familie in der Deutschen Bischofskonferenz
und hat sich deshalb mit der Thematik intensiv beschäftigt.
Als Überschrift für den Abend, der mit einer Pontifikalmesse
in der Alten Kapelle begann, wählte Kardinal Sterzinsky "Treue
in guten und in bösen Tagen - Wo lauern die Gefahren?"
Ausdrücklich wies er zu Beginn seines Vortrags hin, dass natürlich
auch die rettenden Kräfte angesprochen werden sollten. Zuvor
hatte Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller zusammen mit dem Vorstand
des Diözesankomitees den Kardinal aus Berlin in Regensburg
herzlich willkommen geheißen und von den Aktivitäten
des Diözesankomitees berichtet.
Bereits ins seiner Predigt während der Pontifikalmesse betonte
der Kardinal, dass es wichtig sei, in der Ehe der Liebe Raum zu
geben. Auch würden in der Öffentlichkeit geglückte
Ehen oft verschwiegen. Deshalb müsse man jungen Leuten Mut
machen, dass die rechte Ehe von Gottes Gnade getragen werde, wobei
die Realität des Kreuzes nicht verschwiegen werden dürfe.
Die Ehe sei ein Abbild des Bundes zwischen Gott und Mensch, der
an den Eigenheiten des Kreuzestodes teilhabe. Weiter ging Kardinal
Sterzinsky auf den Wandel in der Ehe ein. Die Verliebtheit des Anfangs
bleibe nicht, sondern wandle sich in Liebe, die reif und somit zur
Selbstlosigkeit werde. Am zutreffendsten sei das Hohe Lied der Liebe
im Korintherbrief, in der dies beschrieben werde.
Beim Vortrag im Kolpinghaus stellte Graf Lerchenfeld die Vita des
Kardinals vor. Er ging auch auf die Sehnsucht von jungen Menschen
nach einem treuen Partner ein. Er betonte, dass man mit der Vortragsreihe
versucht habe, Antworten zu finden, wie Ehe und Familie einen gesicherten
Stand haben und was Katholiken für die Ehe tun könnten.
Kardinal Sterzinsky stellte zu Beginn seines Vortrags zuerst klar,
dass zwar oft von Ehe- und Familienpolitik gesprochen werde, aber
man oft nur die Familie im Sinn habe. Dabei sei die Ehe die Basis
für die Familie. Eine stabile Ehe stelle zudem die Sehnsucht
nach dem Unbedingten dar. Umfragen hätten ergeben, dass sich
die überwiegende Mehrheit ein Leben in einer Familie mit Kindern
wünschen würden, aber sie erwarten es nicht. Die Sehnsucht
danach sei da, aber nicht die Hoffnung darauf. Es fehle die Bereitschaft,
in der Verlässlichkeit auf den anderen auch eine Verpflichtung
zu sehen. Treue müsse deshalb gegenseitig sein. Was man sich
vom anderen wünsche, müsse man auch selbst geben.
Kardinal Sterzinsky führte aus, dass die auflösbare Ehe
immer selbstverständlicher sei und immer mehr überhaupt
keine Ehe mehr eingingen. Aber auch heute werde bei der Eheschließung
immer noch vermutet, dass die Ehe auf Dauer eingegangen werde. Dagegen
würden sich viele gar nicht mehr bemühen, die Ehe zu schließen,
da es sich für sie nur um eine Lebensphase handle. Er selber
habe bei Firmungen erlebt, dass oft die Kinder nicht bei den leiblichen
Eltern leben würden.
Er warf die Frage auf, woher dies komme. Durch die geänderte
Arbeitswelt fehle heute die natürliche Stabilität. Es
gebe Belastungen durch eine geänderte Einstellung zur Kindererziehung.
Komplizierte Familienverhältnisse würden zu Erschwernissen
führen. Kardinal Sterzinsky betonte, dass es nicht um Verurteilung
jener gehe, die Hilfe nötig hätten. Wenn man aber Entgegenkommen
zeige, dann würden sich die aufgewertet fühlen, die nicht
dem Ideal entsprächen. Entweder scheine die Kirche zu billigen,
was nicht gottgewollt ist oder sie verurteile die Menschen.
Im weiteren Verlauf stellte Kardinal Sterzinsky dar, wie man den
Menschen helfen könne. Wichtig sei, dass man positives stark
mache. Der Eigenwert der Ehe müsse wieder betont werden, da
die Ehe hingeordnet auf Familie sei. Auch müsse man in der
Ehevorbereitung wieder mehr verdeutlichen, dass die Ehe ein Realsymbol
für den Bund Gottes mit den Menschen sei. Er habe festgestellt,
dass Leute, die getraut werden möchten, nach den geistlichen
Zusammenhängen fragen würden.
In 10 Thesen fasste Kardinal Sterzinsky seine Ideen zusammen:
1. In der Seelsorge muss klar gemacht werden, dass die Partner Grundbedürfnisse
haben, die erfüllt werden müssen.
2. Die Qualität der elterlichen Partnerschaft ist für
die Stabilität der Familie entscheidend.
3. Kinder bereichern das Leben, auch wenn Erziehung anstrengend
ist. Deshalb verdient diese Hochachtung.
4. Ehe und Familie haben große Bedeutung für die Gesellschaft;
deshalb brauchen sie Unterstützung.
5. Bei jeder Maßnahme für Ehe und Familie muss das Prinzip
der Subsidiarität berücksichtigt werden.
6. Förderung muss unterschiedliche Optionen der Familie offen
halten (Wahlfreiheit).
7. Ehe und Familie müssen leistungsgerecht besteuert werden
und eine angemessene finanzielle Förderung erhalten.
8. Eltern müssen auf die Verantwortung in der Familie vorbereitet
werden (Bildungs- und Erziehungshilfen).
9. Wichtig ist eine zukunftsorientierte Familienpolitik, in der
die Familien nicht nur an die Arbeit angepasst werden, sondern in
der die Familienarbeit stärker ins Bewusstsein geführt
wird.
10. Kirche weiß, dass sie mit der Förderung der Familie
auch sich selbst hilft, da die Familie der erste Ort der Glaubenserfahrung
ist.
In der anschließenden Diskussion betonte Kardinal Sterzinsky
die Bedeutung von Familienkreisen, da diese sich gegenseitig stützten;
ebenso seien Familienbildungshäuser wichtig. Damit man auch
Jugendlichen Hilfe zur Treue geben könne, sei ein gelebtes
Vorbild wichtig. Außerdem müsse man darauf hinweisen,
dass in der Ehe Gott als der Verbindende im Spiel sei. Um Treue
zu bewahren, müssten die Partner auch schon kleine Schritte
der Entfremdung wahrnehmen und diese meiden.
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