"Familie als Ort lebendigen Glaubens stärken"
Familientag am 27.09.2008 in Nittenau

"Familie als Ort lebendigen Glaubens stärken" war das Thema des Diözesanen Familientags, den der Gesprächskreis der Geistlichen Gemeinschaften im Bistum Regensburg zusammen mit Diözesankomitee, Familienbund, Arbeitsstelle Ehe und Familie im Seelsorgeamt sowie der Kath. Erwachsenenbildung im Bistum Regensburg am Samstag, 27.09.2008, veranstalteten. Zahlreiche Familien folgten der Einladung in das Schönstattzentrum in Nittenau, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Informationen über die große Bandbreite christlichen Lebens in den verschiedenen Bewegungen einzuholen. Durch den Tag führte Diakon Franz-Adolf Kleinrahm, der in seinen begrüßenden Worten betonte, die Symphonie der kirchlichen Realitäten zu erfahren, in der jeder seinen Platz habe. Den Anfang stellte ein Pontifikalgottesdienst dar, den Weihbischof Reinhard Pappenberger zelebrierte. In seiner Predigt ging er darauf ein, dass der Mensch aus Liebe von Gott erschaffen sei und deshalb zur Liebe berufen sei. Der Mensch sei von Gott füreinander gewollt und dürfe deshalb nicht bei sich selber stehen bleiben, sondern müsse das Leben weitergeben. Der Weihbischof betonte, dass die Kirche sich um die Familien um der Menschen und Kinder willen kümmere. Seit der Geburt erfahre der Mensch die fürsorgende Liebe, die offen, gütig und freundlich für den anderen da sei. Dagegen werde heute Liebe oft nur verkürzt wahrgenommen, das Leben sei eben kein immerwährendes Idyll. Gerade in den schwächsten Phasen des Lebens - am Anfang und am Ende des Lebens - brauche der Mensch die Liebe, die Caritas sei. Weihbischof Pappenberger führte aus, dass der Mensch erst im Füreinander entdecke, worauf es im Leben ankommt. Wichtig sei, die Weggeschichte der Generationen zu entdecken, zu begreifen, dass es mehr wert sei, sich zu haben statt etwas zu haben. Dazu müsse der Boden bereitet werden, indem alle Fragen, Hoffnungen, Sorgen, aber auch alles Gute auf den Grund des Glaubens gestellt werde. Wichtig sei deshalb, die Familie als Lernort des menschlichen Lebens und Liebens zu begreifen.
Den Hauptvortrag des Familientags hielt Dr. Michael Feil, Geschäftsführer der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn. Zu Beginn berichtete er kurz über die Arbeitsweise der Bischofskonferenz und der einzelnen Kommissionen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sei die Ehe- und Familienpastoral, so dass Christen aus dem Glauben heraus Familie gestalten können und das Glaubensleben in der Familie konkret werden könne. Die Mitte sei das Sakrament der Ehe. Dr. Feil verglich dabei die Ehe mit einem Haken an der Wand, an dem das Bild der Familie hänge. In der Gesellschaft dagegen, so der Referent, sei dagegen die Ehe mit vielen Klischees behaftet und stehe deshalb nicht hoch im Kurs. Sie werde dort als nicht mehr zeitgemäß empfunden und daher mit anderen Lebensformen gleichbehandelt. Dagegen betone die Kirche den Wert der Ehe, weil sie einen geeigneten Rahmen für gelingende Partnerschaft, Sexualität und Familie biete. Der Referent betonte, dass die überwiegende Mehrzahl der Menschen sich eine dauerhafte Partnerschaft in der Ehe wünsche. Es gebe aber einen Zwiespalt, da die Realität anders aussehe und viele die Eheschließung hinauszögerten. Man müsse deshalb verdeutlichen, dass die Ehe "menschengemäß" sei.
Dr. Feil führte weiter aus, dass die Ehe als Sakrament auch ein Symbol des göttlichen Heilswillen sei und sich deshalb um ein Zeichen handle, das Gottes Liebe konkret erfahrbar mache. Wenn Ehe gelinge, werde die Heilsbotschaft Gottes sichtbar und die Eheleute würden damit auch Kirche leben. Dabei seien aber auch alle Vor- und Nachteile des menschlichen Lebens festzustellen, so dass es auch ein Scheitern geben könne. Die sakramentale Ehe benötige deshalb förderliche Rahmenbedingungen.
In seinen weiteren Ausführungen ging der Referent auf den ethischen Aspekt der Ehe ein. Die Ehe gebe ein Leitbild vor, in das Erfahrungen vergangener Generationen eingeflossen seien. An diesem Leitbild könne man sich orientieren, lasse aber auch Raum für Anpassungen an das eigene Leben. Er verwies dabei auf Kardinal Sterzinsky, den Vorsitzenden der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofkonferenz, der sagte, dass dies kein Kampf sei, sondern etwas, was wir anbieten dürfen.
Im weiteren legte der Referent dar, dass Jugendliche sich Treue in der Partnerschaft wünschen würden. Aber wegen des fehlenden Zutrauens und der geforderten beruflichen Flexibilität gebe es eine Scheu, sich auf eine unauflösliche Beziehung einzulassen. Deshalb müsse man in der Pastoral das Leitbild so vorlegen, dass es auch angenommen werden könne. In der Ehevorbereitung gebe es schon sehr viele gute Modelle, von denen man gegenseitig lernen könne. Auf dem Katholikentag habe man feststellen können, dass die Kirche als Kompetent in der Paarberatung empfunden werde. Deshalb müsse man diesen Aspekt noch weiter bekannt machen.
In der Ehebegleitung habe man festgestellt, dass es eine große Sprachlosigkeit in den Familien gebe, wenn es um Glaubensfragen gehe. Deshalb sei es wichtig, Angebote zu machen, wie Kinder in den Glauben eingeführt werden können.
Für die Zukunft sei es wichtig, auch in der Kirche wertzuschätzen, dass Ehe gelingt. Man dürfe nicht nur die Politik dafür verantwortlich machen, sondern man müsse sich auch innerkirchlich um die Eheleute kümmern. Dazu solle man mit den Menschen über Ehe und Familie sprechen was man tun könne, dass Ehe gelingt. Man müsse die Ehepaare ermutigen, die verschiedenen Kompetenzen (wie z.B. Gespräch, Haushalt, Medien, Erziehung) auch weiterzuentwicklen, sowie über sein eigenes Leben im Licht des Glaubens nachzudenken.

Am Nachmittag des Familientags stand der "Marktplatz" mit Infoständen der einzelnen Gruppierungen im Mittelpunkt, so dass sich die Teilnehmer gezielt informieren konnten. Anschließend fassten der Vorsitzenden des Diözesankomitees, Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, sowie Ordinariatsrätin Maria Luisa Öfele den Tag zusammen. Graf Lerchenfeld betonte, wie wichtig die gegenseitige Information und der Austausch der Gruppen sei, die sich mit Ehe und Familie beschäftigen. Ordinariatsrätin Öfele stellte dies mit dem Wort des Erzbischofs Rylko dar, dass es eine Sinfonie des Glaubens gebe, bei der nicht nur einzelne Töne wichtig seien, sondern auch das Zusammenspiel. Es gehe um den missionarischen Grundauftrag von Ehe und Familie, da die Familie der erste Ort der lebendigen Glaubensverkündigung sei.

Zu guter Letzt konnten die Kinder, die während der Vorträge separat betreut wurden, ihre selbst erarbeiteten Sprechspiele den Erwachsenen vorführen und so dadurch Impulse mit auf den Heimweg geben.


Manfred Fürnrohr



Feierlicher Pontifikalgottesdienst mit Weihbischof Reinhard Pappenberger vor der Schönstatt-Kapelle


Diakon Franz-Adolf Kleinrahm, der durch den Tag führte


Hauptreferent Dr. Michael Feil, Geschäftsführer der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz



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