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Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Diözesankomitees der Katholiken
im Bistum Regensburg zum Thema "Ehe und Familie" hat am
Freitag, 04.04.2008, eine Podiumsdiskussion stattgefunden, um über
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu diskutieren. Auf dem
Podium konnte der Vorsitzende des Diözesankomitees und Moderator
des Abends, Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, Vertreter von Arbeitgebern
und Arbeitnehmern begrüßen. In seinen einführenden
Worten betonte der Vorsitzende, dass gerade dieses Thema in der
öffentlichen Diskussion wichtig sei, da die Ausgaben für
Sozialhilfe, Jugend und Familienbetreuung immer weiter anstiegen.
In einem ersten Statement berichtete die Podiumsteilnehmerin Ernie
Egerer, Besitzerin eines mittelständischen Getränkeabfüllbetriebs,
über für sie selbstverständliche Maßnahmen
in ihrem Betrieb, die die Interessen der Familien stützten
und förderten. Dies zeige sich z.B. auch in der Personalführung,
aber auch an anderen Aktionen, wie z.B. dass Kinder den Arbeitsplatz
der Eltern besuchen könnten. Es sei auch im Interesse des Betriebs
menschlich miteinander umzugehen.
Anneliese Heitzer, Organisationssekretärin des DGB, betonte
in ihrem Statement, dass zwar die Familienfreundlichkeit oft in
den Firmenspitzen vorhanden sei, diese aber nicht bis in die mittlere
Ebene vordringe. Wichtig seien v.a. familiengerechte Arbeitszeiten,
Möglichkeiten für Kinderbetreuung, gesicherte Einkommensentwicklung
und bedarfsgerechte Pflegedienstleistungen. Gerade diese nehme in
den kommenden Jahren immer mehr zu. Ziel sei eine Wahlfreiheit zwischen
Beruf und Familie, ohne dass durch den Staat ein bestimmtes Modell
bevorzugt würde. Aus familiären Gründen sei sie auch
gegen eine Ausweitung der Sonntagsarbeit.
Birgit Bauer-Groitl, geschäftsführende Gesellschafterin
eines Kunststoff verarbeitenden Betriebs, berichtete in ihrer Stellungnahme,
dass sie in ihrem Familienbetrieb bereits die Mutter als Vorbild
gehabt hätte, einen familienorientierten Lebenslauf mit der
Betriebsführung zu vereinbaren. Für sie sei wichtig, dass
man auf die familienspezifischen Herausforderungen flexibel reagiere
(z.B. bei Vater-/Mutterschaft, Pflege von Angehörigen). Die
Förderung von sozialem Engagement (z.B. bei Feuerwehreinsätzen
während der Arbeitszeit) sei für sie selbstverständlich.
Für sie sei es ein gegenseitiges Geben und Nehmen, so dass
bei einem wirtschaftlichen Erfolg sowohl Betrieb als auch Arbeitnehmer
einen Nutzen daraus zögen.
Inge Ritz-Mürtz, Notarin, vertrat den Bund Kath. Unternehmer.
Für sie habe die Förderung von Familien vier Säulen.
Zum einen sei es die Politik, die sich für mehr qualifizierte
Betreuung einsetzen müsste und für eine Bündelung
der staatlichen Maßnahmen eintreten müsste. Zum anderen
sei eine Unternehmenskultur wichtig, in der auch die Unternehmensleitungen
Vorbild seien und sich zu Familie bekennen, da eine familienfreundliche
Unternehmenspolitik auch ökonomisch sinnvoll sei. Gleichzeitig
müsse man von der Jugendzentriertheit abkehren. Bei Kleinbetrieben
seien familienfreundliche Maßnahmen oft selbstverständlich,
ohne dass dies bewusst sei. Die dritte Säule sei die Gesellschaft,
die Mut machen müsse, sich der Herausforderung zu stellen.
Schließlich habe aber auch jeder einzelne Verantwortung, Familie
in allen Bereichen Wertschätzung zu zeigen.
Werner Zierer, Betriebsratsvorsitzender des BMW Werkes Regensburg,
legte in seinem Statement großen Wert auf die Feststellung,
dass v.a. sichere Arbeit familiengerechte Arbeit sei. Wenn diese
zeitlich befristet sei, dann setze man sich nicht mit der Familiengründung
auseinander. Aber auch das Umfeld müsse man familienfreundlicher
gestalten, z.B. durch flexiblere Arbeitszeitmodelle oder Betriebskrabbelgruppen.
Diesen Maßnahmen stünden aber der starke internationale
Wettbewerb, die geforderte Mobilität sowie die Schichtarbeit
dagegen. In Zukunft müsse man aber noch weiter umdenken, da
durch die geänderte Demographie bald ein Facharbeiter und Ingenieurmangel
herrschen werde. Unternehmen würden deshalb familiengerechte
Arbeitsverhältnisse nur aus ökonomischen Zwang verstärkt
anbieten.
Bei der anschließenden Diskussion kristallisierte sich heraus,
dass viele gesellschaftliche Werte bei den Kindern nicht mehr ankommen
würden. Wichtig sei deshalb ein soziales Lernen, das bereits
in der Familie beginne. Auch würden in Zukunft familienfreundliche
Betriebe einen Wettbewerbsvorteil haben, da sie leichter Stellen
besetzen könnten. Einig war man sich auch, dass das Grundübel
das mangelnde Vertrauen sei, dass Kinder schon von klein auf erfahren
hätten und jetzt weiter mit sich tragen, wie z.B. die hohe
Scheidungsrate oder die geforderte räumliche Mobilität.
Dieses Misstrauen hemme die Motivation für die Familiengründung.
Wichtig sei auch eine breite Diskussion in der Gesellschaft, in
der der Wert der Familie sowie der Familienarbeit anerkannt werde.
Aber auch in den Unternehmen, v.a. aber in der mittleren Führungsschiene,
müsse ein Umdenken erfolgen. Kleinere Unternehmen seien hier
von Vorteil, das Unternehmensleitung und mittlere Ebene vereint
seien. Insgesamt sei eine Bewusstseinsänderung nötig,
um ein besseres Verständnis und mehr Geduld für Familie
aufzubringen.
In seinem abschließendem Wort betonte Graf Lerchenfeld, dass
sich alle Gedanken machen müssten, wie man familienfreundlicher
sein könne. Jeder müsse an seinem gesellschaftlichen Ort
entscheiden, wie der Familie ein höherer Stellenwert zuerkannt
werden könne.
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